Ein paar Gedanken zu ein paar Reaktionen auf #metoo

CW: #metoo, Abuse, etc.

Ich glaube, ich kann jetzt so langsam den Finger drauf legen, warum es mich so abfuckt, wenn wer „ist doch nichts neues“, „ich bin müde“ oder ähnliches als Reaktion auf #metoo sagt.

Mensch kann von der ganzen Aktion halten, was mensch will, darum geht es mir nicht. Auch nicht um eine „fundierte Kritik“ an der „Kritik“ (an der „Kritik“ der „Kritik“) was auch immer das sein mag.
Mir geht es auch nicht darum, dass ich das Gefühl von „kenne ich schon“, „jaja, nix neues“, „wo ist der Erkenntnisgewinn?“ usw. nicht kenne oder (überhaupt) nicht nachvollziehen kann.
Im Gegenteil, ich kenne all das sehr gut und insbesondere bei Dingen, die mich seit Jahren beschäftigen, über die ich seit Jahren rede (z.B. (sexualisierte) Gewalt und Abuse in diversen Formen) und bei denen mir (gefühlt) so gut wie keine_r zuhört, die Sachen runtergespielt werden oder entweder mein Input für den eigenen Blog (unautorisiert und unreferenziert) benutzt wird oder ich mundtot gemacht werde(n soll).

(Aber) genau das Gefühl habe ich jetzt (wieder).
Ich sage nicht, dass irgendwer das damit bezwecken will.
Was ich sage ist, dass es das bei mir bewirkt.

Ich habe das Gefühl, dass ich nicht reden soll.
Ich habe das Gefühl, lästig zu sein.
Ich habe das Gefühl, es nicht wert zu sein, dass mir zugehört wird.
Ich habe das Gefühl, keine Berechtigung zu haben, zum Thema zu sprechen, allein aus dem Grund, weil ich weder einen „Erkenntnisgewinn“ noch „positive Vorschläge zum Umgang mit XY“ beitragen kann, sondern im Gegenteil, weil ich durch einen schlichten Hashtag (den ich persönlich noch nichtmal mehr verwendet habe) ein „gelangweiltes Gähnen“ im Gegenüber hervorrufe.

Bekenntnisaktivismus ist auch nicht meiner, aber genau so wenig ist es ein weisser cis Femismus, der mir oft viel zu nahe an Respektability Politics dran ist.
Dass Leute Unterstützung, Respekt usw. nur unter bestimmten Bedingungen „verdient“ haben. Z.B. Wenn sie sich sonst auch für Betroffene und gegen Gewalt engagieren.
Oder wenn sie sich nicht gegen Kontroll- und Vereinahmungsversuche durch weisse cis-Feminist_innen wehren.
Oder wenn sie sich nichts anderes „zu Schulden“ haben kommen lassen.
Dass sich überhaupt etwas „verdient werden“ muss.
Dass überhaupt Ansprüche an mich gestellt werden, wenn ich über meine Erfahrungen rede(n will).

Lasst die Leute doch.
Das ist alles nicht meins.
Ich will Menschen nicht kontrollieren und schon gar nicht will ich sie jenachdem behandeln, wie ich es bewerte, wie und ob sie es „verdient“ haben.
Ich will Menschen „ordentlich“ (mir fehlt grad ein besseres Wort) behandeln, weil niemand irgendetwas „verdient“ haben sollte.
Und genauso wünsche ich mir es auch für mich.

Aber gerade habe ich das Gefühl, dass mein Erleben nicht wichtig (genug) ist.
Dass die Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers wichtiger sind als meine.
Dass meine Gefühle egal sind.
Und darum geht es bei #metoo ja nicht einmal mehr.
Es wird ja nur gesagt „dass“ und nicht einmal mehr „was“ oder wie es mir geht oder was „genau“ passiert ist oder was ich jetzt brauche.
Einfach nur „dass“.

Aber dieses „Gähnen“, diese in meinen Augen oft auch noch sehr selbstgerecht inszenierte „Abgeklärtkeit“ macht, dass ich mich jetzt in diesem Moment wieder ganz genauso fühle.

Und das ausgerechnet bei diesem Thema.

Das Gefühl, dass nicht einmal das „einfach so“ sein darf, dass es zu „viel“ oder zu „lästig“ ist, dass es „ja eh nichts bringt“.
(Warum „darf“, kann oder sollte das überhaupt wer anders entscheiden, ob mir etwas „etwas bringt“, bzw. ob es mir überhaupt „etwas bringen“ muss, bzw. ob das, jenachdem was es dann ist, dann wiederum überhaupt „gut“ für mich ist, sein soll oder „darf“.)

Aber ganz genau dieses Gefühl ist es, was mich zurück bringt.
In meine Kindheit, in meine Familie, in mein Erleben.
In meine Vergangenheit, in mein Gestern, in mein Heute.
Nicht zu den Geschehnissen selbst aber zu den Reaktionen der Nah-Personen, denen ich überhaupt versucht habe mich anzuvertrauen, mit ihnen zu reden, um Hilfe zu bitten.

Einfach mal nur, für ganz kurz nur, für einen Moment, die Zeit und den Raum zu bekommen.
Ganz kurz einfach mal nur für einen kurzen Moment nicht bewertet, gesilenced oder (zwangs)politisiert zu werden.
Einfach mal gehört zu werden.
Das scheint nicht angesagt.
Auch nicht hier, auch nicht jetzt, auch nicht von denen „auf meiner Seite.“

Das ist für mich keine Kleinigkeit.
Das ist für mich (auch) (ein Teil von) RapeCulture und (Teil davon) was sie am Leben hält.

Einfach mal zuhören – das wär mal was.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.