Geschlechtseinträge? Wtf?

Ich bin übrigens komplett gegen jegliche Geschlechtseinträge.

D.h. auch nicht für einen „dritten/divers/offenen Eintrag“.
Auch nicht für eine „vorübergehende Freilassung“ (bis zu einem gewissen Alter).
Ich bin für eine komplette Streichung des Geschlechtseintrages, d.h. aller Geschlechtseinträge.

Ein „Vorteil“ eines dritten/anderen/offenen Geschlechtseintrags wären u.a. eine Anerkennung durch ein System, welches Geschlechter (und somit auch Race/Class) hierarchsiert.

Anerkennung heißt aber auch immer Aberkennung.
Die der anderen oder der nicht passenden.

Die persönlichen Erleichterungen kann ich in den meisten Fällen sehr gut nachvollziehen, trotzdem bleibt mir unverständlich, wieso nicht nach Lösungen/Umgangswegen gesucht wird, die nicht nur die Situation von einigen verbessern sondern die aller.
Und zwar ohne eine weitere Verstaatlichung von Geschlecht (und damit auch von Race/Class, etc.).

Ich mein:
Wer ist überhaupt nur in der Lage „gültige Papiere“ zu bekommen?
Warum sind bestimmte „Papiere“ mehr Wert als andere?
(Migration wird durch selektive Illegalisierung nicht nur rassifiziert und klassifiziert sondern auch gegendert, z.B..)
Papiere und Rechtswege sind zudem eh nicht für alle weder finanziell noch strukturell oder emotional überhaupt „leistbar“.
Und: die wenigsten Menschen können es sich (in der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Situation) überhaupt auch nur „leisten“, „out“ zu sein.

Und was ist Menschen in staatlicher „Obhut“ oder mit gesetzlicher Vormundschaft?

Geschlecht (und die Kontrolle dessen) ist (nicht nur historisch betrachtet) auch immer noch ein Instrument des Kolonialismus und die „Überbleibsel“ davon finden sich z.B. im Geschlechtseintrag im Reisepass wieder.

Auch in Deutschland bekommen soweit mir bekannt, nur diejenigen gültige Papiere, die bereit oder in der Lage sind, sich dem weiss-christlichen Konzept von Geschlecht anzupassen, bzw. überhaupt wieder zu finden.

Im deutschen Personalausweis hingegen findet sich bekanntlich kein Geschlechtseintrag, auch wenn die meisten Menschen nach wie vor davon überzeugt sind. Wer in Deutschland geboren ist, bekommt als „Willkommen in Deutschland“ als erstes alleine aufgrund des Aussehens der äußeren intimen Anatomie einen Platz in einer vergeschlechtlichten Gesellschaft zugewiesen. Na, dann Prost.
Warum und wozu das überhaupt nötig sein soll, ist mir (und vielen anderen) immer noch ein Rätsel.

Auch der sogenannte „Ergänzungsausweis“ ist eine Verstaatlichung von Geschlecht.
Abgesehen davon, dass er leider auch nicht kostenfrei, aber dann doch relativ günstig zu bekommen ist, schafft auch er, selbst wenn er oft hilfreich sein mag, dann aber doch auch nur wieder eine „außerhalb der Person liegende“ (formelle/„neutrale“) „Bestätigung“ von Geschlecht.

Mein Geschlecht ist nicht weniger „wert“, „real“ oder „echt“, wenn ich es durch Papiere „belegen“ kann.
Warum sollte ich so etwas überhaupt (unterstützen) wollen?

Geschlechter(hierarchsierungen = Sexismus) und dran anhängende Konzepte wie Trans, Inter, Enby- A- und Multigender- sowie Queer- und Homofeindlichkeit (als auch Rassismus und Klassismus, etc.) gehören meiner Meinung nach abgeschafft – nicht durch Papiere und Gesetze weiter begünstigt und staatlich reguliert.

Ich habe keine Lust darauf, dass die eine Kacke durch den nächsten Mist abgelöst wird.
Natürlich werden es sich nicht alle Menschen leisten können, ihre Papiere ihrem Geschlecht anzupassen. Aus diversen Gründen.
Und Geschlechtseinträge für Personen ohne oder mit mehreren/wechselnden Geschlecht/ern sind (zumindest bisher) nicht (soweit mir bekannt) Teil der vorgeschlagenen Umsetzungen-Vorschläge.

Ich habe auch keine Lust, dass dann einfach nur eine neue „Realität“ geschaffen wird, dadurch dass „Geschlecht“ in „all seiner Vielfalt“ „bewiesen werden kann.“ Nicht nur die beiden bis dato „offiziell anerkannten“ binären Geschlechter, sondern dann auch noch ein oder mehreren „dritte/andere/offene“ Geschlechter.

Meiner Meinung nach wird dadurch nur wieder nur ganz bestimmten Menschen Zugang gewährt, während andere noch weiter ausgeschlossen werden.

Ich wiederhole: Meine Forderung ist nicht alles so zu belassen, wie bisher, sondern den Geschlechteintrag komplett zu streichen.

Ich bin für die Entpathologisierung von trans, inter, enby, a- und multigender Menschen, für freien Zugang zu selbstbestimmter Gesundheitsversorgung sowie für eine komplette Entstaatlichung/Entkriminalisierung von Geschlecht.

Ich bin für ein Ende jeglicher Kontrolle von Geschlecht, sowohl staatlicher als auch medizinischer.
Ich bin für Autonomie und radikale Enthierarchisiserung von Geschlecht.
Ich bin für die Abschaffung aller Geschlechtseinträge!

Ich bin gegen jede weitere Verstaatlichung von Geschlecht und der damit zusammenhängenden Legalisierung von Diskriminierung von nicht gewollten/legalisierbaren Geschlechtern und Zugang durch „Inklusion“ von weiteren Optionen.

Ich verstehe das Bedürfnis, die eigenen Zugänge zu (vergeschlechtlichten/staatlichen) Privilegien wie Gesundheitsversorung, etc. erleichtern zu wollen, ich würde mir jedoch wünschen, dieses bedacht(er) zu tun und nicht nur ausschließlich/hauptsächlich für den eh schon besser gestellten Teil der trans/inter/enby/agender Menschen zu kämpfen.

Integration muss mensch sich leisten können.

Geschlecht hat auch immer mit Sicherheit zu tun.

Wer wird „sicher“ sein durch neue Regelungen und wer wird noch weiter in Gefahr gebracht und an den Rand gedrängt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.